Burg Rheinstein: Historische Einblicke am Mittelrhein

Die auch unter den Namen Voitsberg oder Vaitzburg bekannte etwa 700 Jahre alte Spornburg oberhalb von St. Goar thront gegenüber von Aßmannshausen auf einem 90 m hohen Bergsporn über dem Rhein. Im Unterschied zu anderen Höhenburgen wie z. B. Gipfel-, Hang- oder Niederungsburgen, ist bei Spornburgen der Standort auf einem Bergsporn, mit auf mindestens zwei, manchmal auch drei Seiten steil abfallenden Geländeformationen charakteristisch. Spornburgen sind die am weitesten verbreitete Art der Höhenburgen in Deutschland. Die romantische Burg Rheinstein ist seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes oberes Mittelrheintal.

Burg Rheinstein: Geschichte und Hintergründe

Die Geschichte der Burg Rheinstein beginnt im 13. Jahrhundert. 1316 wurde sie im Auftrag des Mainzer Erzbistums als Zollburg erbaut. Die Burg hatte keine strategische Nutzung, man nimmt aber an, das von hier aus das Wiederaufbauverbot der in der Nähe liegenden Ruine Reichenstein überwacht werden sollte. Die ehemalige Raubritterburg Reichenstein wurde 1282 zerstört und mit einem Wiederaufbauverbot belegt. Die Burg Rheinstein blieb nach ihrer Fertigstellung nicht lange im Besitz des Mainzer Erzbischofs. Im Jahr 1323 schenkte er die Burg dem Mainzer Domkapitel. Etliche Jahre später, im Jahr 1348, wurde Kuno von Falkenstein, der Erzbischof von Trier, neuer Eigentümer der Burg.

Im Jahr 1823 erwarb Prinz Friedrich von Preußen, die mittlerweile zur Ruine gewordene Burg und gab ihr den heutigen Namen Rheinstein. Er ließ die Burg zwischen 1825 und 1829 im neugotischen Stil als fürstlichen Sommerwohnsitz für sich wieder aufbauen. Damit gehört Burg Rheinstein zu den ersten von mehreren Burgruinen am Rhein, die im 19. Jahrhundert wieder vollständig errichtet wurden. Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb die Burg durch Erbfolge im Besitz der Hohenzollernfamilie. Im Jahr 1975 erwarb sie der in Österreich geborene Opernsänger Herrmann Hecher und bewahrte sie damit vor einem Zugriff durch die Hare-Krishna-Sekte. In den folgenden Jahren ließ er die Burg aufwendig renovieren.

Es gelang ihm sogar mehrere Teile der in früheren Jahren durch einen Betrug abhandengekommenen Innenausstattung zurückzukaufen. Seitdem befindet sich die Burg nach wie vor im Besitz der Familie Hecher. Verschiedene Räume der Burg sind für Besichtigungen freigegeben.

Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen auf der Burg Rheinstein

Die Burg, nebst neugotischer Schlosskapelle, ist selbst die größte Sehenswürdigkeit, aber in ihrem Inneren birgt sie auch verschiedene Kunstschätze:

  • kostbare Glasmalereien aus dem 14. bis 19. Jahrhundert
  • Wand- und Deckenfresken mit kunstvollem gotischen Ornament
  • Antike Möbel des 17. und 19. Jahrhunderts
  • historische Rüstungen und Rüstzeug aus dem 15. Jahrhundert

Eine besondere Attraktion ist die einem Original aus dem 11. Jahrhundert nachempfundene alte Steinschleuder, sowie eine Kanone nach einer Originalvorlage aus dem 15. Jahrhundert. Im Burggarten, dem sogenannten Burgundergarten, wächst noch heute eine 300 Jahre alte Burgunderrebe. Der Burggarten, ein bedeutsames Beispiel mittelalterlicher Gartenbaukunst, gehört zur Route der Welterbe-Gärten, ist also Teil der Kulturlandschaft aus verschiedenen Nutz- und Ziergärten, sowie Parkanlagen des UNESCO-Welterbes oberes Mittelrheintal. Vom Aussichtsturm der Burg haben Besucher eine fantastische Aussicht ins Rheintal und auf den gegenüberliegenden Ort Assmannshausen.

burg am mittelrhein
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Die romantischen Gärten und Terrassen rund um die Burg laden zu einem beschaulichen Spaziergang ein. Die bekannteste Veranstaltung in der Umgebung der Burg ist sicher der „Rhein in Flammen“. Das beliebte Fest findet jährlich Anfang Juli statt und lockt tausende feierfreudige Besucher an. Der Höhepunkt für die Besucher ist das gigantische Feuerwerksspektakel über dem romantischen Rheintal.

Nachtführungen und Gastronomie

Des Weiteren finden in den Monaten April, Mai, September und Oktober jeweils freitags, Nachtführungen auf der Burg statt. Ein Muss für alle Romantiker. Oberhalb von Burg Rheinstein liegt das Schweizerhaus, ein schönes Ausflugsrestaurant und ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes oberes Mittelrheintal. Das Schweizerhaus steht auf einem Felsvorsprung 130 m hoch über dem Rhein. Es ist zu Fuß über einen Serpentinenweg von der Burg aus zu erreichen. Die hier früher betriebene Waldgaststätte wurde 2018 leider geschlossen, nachdem der Inhaber verstorben ist. Sein Sohn betreibt allerdings noch einen Biergarten mit herrlichem Blick auf das Rheintal. An schönen Tagen können Gäste bis zum Binger Loch schauen.

Auf der Burg Rheinstein wird seit Mai 2010 auch eine Gastronomiewirtschaft betrieben. Die von der Burgfamilie Hecher in Eigenregie betriebene Tafernwirtschaft „Kleiner Weinprinz“ überrascht ihre Gäste mit traditionellen Speisen, und bietet einige Weinraritäten, die im hauseigenen Weingarten angebaut werden. Es gibt auch die Möglichkeit auf der Burg zu übernachten und man kann hier auch seinen Traum von einer romantischen Hochzeit verwirklichen.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Burg Rheinstein

Nur etwa einem halben Kilometer von der Burg entfernt befindet sich die Niederwald-Seilbahn Assmannshausen. Die über eine Strecke von rund 900 m gehende Sessellift-Fahrt vom Jagdschloss Niederwald herunter nach Assmannshausen oder umgekehrt bietet schöne Ausblicke auf die umliegenden Weinberge. Einen Besuch wert ist auch die etwas oberhalb von St. Goar uaf der linken Rheinseite liegende Burgruine Rheinfels. Von Burg Rheinstein aus gut erreichbar gibt es in der Umgebung auch einige hervorragende Gastronomieangebote. Neben der bereits erwähnten Tafernwirtschaft Kleiner Weinprinz freuen sich auch das Hotel-Restaurant Schön, das Hotel Restaurant 2 Mohren oder das Ristorante Pizzeria La Romantica auf hungrige und durstige Gäste.

Zum Abschluss noch eine besondere Burgeschichte

Der Eigentümer der Burg, Markus Hecher, ist ein Burgherr mit drei Leichen im Keller. In der Burgkapelle liegen noch heute 3 Mitglieder des früheren preußischen Königshauses begraben. Im Zuge der damaligen Kaufverhandlungen mit dem Haus Hohenzollern ging es auch darum, ob die Sarkophage aus der Gruft in eine andere preußische Ruhestätte überführt werden sollten. Um die historische Einheit der Kapelle zu erhalten und auch dem letzten Wunsch der Preußenfamilie zu entsprechen, hat die zuständige rheinland-pfälzische Denkmalpflege entschieden, die Särge in der Gruft zu belassen.

Zumal die Überführung in eine alternative Ruhestätte auch mit erheblichen Kosten für das Haus Hohnenzollern verbunden gewesen wäre. Und somit wurde von der Familie Hecher die Burg mitsamt der Gruft erworben und Markus Hecher zum einzigen Burgbesitzer mit Leichen im Keller.